Carla Ornaghi

1. Kurzer Überblick

Am 25. Oktober 2013 verliest die zuständige Richterin das Urteil im Fall der Carla Ornaghi, die am 19. September 2012 Anzeige gegen 21 Männer und Frauen, Politiker, Wirtschaftsbosse, Sportler und andere wegen sexueller Gewalt erstattet hatte. Die Richterin führt unzählige Beweise der Klägerin auf, die sie jedoch alle verwirft und die Beklagten freispricht.


2. Ausführlichere Beschreibung

Das Buch ist auf zwei Weisen schwierig: Es nutzt für einen künstlerischen Ausdruck einen hoheitlichen Rahmen – ein Gerichtsurteil und beschäftigt sich mit hoheitlichen Aufgaben – dem Staat -, um für eine bestimmte Zeit, nämlich die letzten Berlusconi-Jahre, ein Abbild der italienischen Gesellschaft und ihres Staates zu versuchen, die in ernsthafte Schwierigkeiten geraten waren. Es nutzt zweitens ein Mittel, die Schwierigkeiten darzustellen, das ebenso schwierig ist: die Sexualität, die außer Fugen und unter Zwang gerät.
Beides zusammen erscheint jedoch geeignet, das Verhältnis einer Gesellschaft und ihres Staat darzustellen, und zwar ein Verhältnis, das schon bei seiner Gründung unvollständig und lückenhaft war und somit nicht in der Lage, ein gutes Ganzes zu bilden, ein solches also, in dem die Gesellschaft den Staat trägt – finanziert, lebt, weiterentwickelt und der Staat für die Erfüllung der Gemeinschaftsaufgaben sorgt.
Die Aufgabe des Romans ist es also, die Ursachen für dieses Missverhältnis fühlbar zu machen. Und für dieses Fühlen eignet sich die Sexualität als eine große Metapher hervorragend. Insoweit ist dies also ein symbolischer Roman, der auf mehreren Ebenen gelesen werden muss und, zugegeben: der Leser benötigt Ausdauer, denn ein Gerichtsurteil hatte noch nie Spiel, Spaß und Spannung in sich. Hier enthalten sind zwei Fassungen.
Die erste Fassung ist wesentlich gekürzt und in Selbstzensur bereinigt, sodass reale Sachverhalte und Personen verblassen und nicht mehr erkennbar sind. Eine zweite Fassung existiert, wird aber nicht veröffentlicht wird.

Der Roman möchte nicht unterhalten, sondern anregen. Hilfreich ist es dabei, eine politische Lesehaltung einzunehmen, und keine, die auf Spannung oder Zerstreuung bedacht ist.


3. Entstehung und Motivation

Das Buch ist entstanden, um mir selbst vor Augen zu führen, was Populismus – Rechtspopulismus – ist, wie er funktioniert, wer alles mitmachen muss und wer am Ende die Zeche zahlen wird.

Geschrieben ist es in einer Zeit, in der ich selbst häufiger in Italien war und viel italienische Zeitungen gelesen habe, mit Italienern viel diskutiert habe – auch eine Zeit, in der es Italien nicht gut ging, gerade auch der Jugend. Schriftstellerisch lag das Schreiben in der großen Experimentierphase – und ist also auch eine Übung, ein Experiment. „Carla Ornaghi“ ist insofern Teil eines größeren Zusammenhangs, aber nicht inhaltlich, sondern in der Methode.

4. Für wen dieses Buch ist – und für wen nicht

Das Buch ist für Erwachsene bestimmt, die Interesse haben am Politischen und den Hintergründen des Rechtspopulismus, und die Lust haben, sich auf eine bestimmte These einzulassen und Geduld mitbringen. Nicht für Jugendliche, nicht für Kinder, nicht für Lyrik-Liebhaber oder Spannungsgenießer.


5. Kurzer Textauszug


6. Formale Angaben

  • Roman
  • 136 Seiten
  • Entstehung 2014
  • nur auf gondells.de veröffentlicht